Telemedizin- und Pflegeprojekt in Gifhorn gestartet

18. Oktober 2019
Das Projekt soll die ambulante medizinische Versorgung gerade in ländlichen Gebieten verbessern. Symbolfoto: Pixabay
Gifhorn. Den Blutdruck und Blutzucker messen, ein EKG schreiben oder eine Wunde versorgen. Das alles sind grundsätzlich medizinische Leistungen, die ein Hausarzt im Rahmen seiner Hausbesuche erbringt. Im Landkreis Gifhorn übernimmt dies für einen Teil der Patientinnen und Patienten einer Hausarztpraxis seit Mitte dieses Jahres ein Pflegedienst. Über das Pilotprojekt berichtet das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in einer Pressemitteilung.

Das Projekt ist für das Flächenland Niedersachsen ein wichtiges zukunftsweisendes Pilotprojekt, betont Sozialministerin Carola Reimann anlässlich ihres heutigen Besuchs der Hausarztpraxis: „Unser Ziel ist es, die ambulante medizinische Versorgung gerade in den ländlichen Regionen zu verbessern. Wir verknüpfen hier hausärztliche und ambulante pflegerische Leistungen sektorenübergreifend. Das ist ein Modell mit Zukunftscharakter, denn Patientinnen und Patienten profitieren von diesem Angebot genauso wie die Arztpraxen.“

Das Kooperationsprojekt der AOK Niedersachsen, der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und des Sozialministeriums wird vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) unterstützt und läuft bis Ende 2020. Laufe das Modellprojekt gut, so Dr. Carola Reimann, strebe die Landesregierung ab 2021 eine Ausweitung des Projekts an. 

Der bpa ist überzeugt, dass das Thema Telemedizin, beziehungsweise Telepflege große Chancen mit sich bringt, so Henning Steinhoff, Leiter der Landesgeschäftsstelle Niedersachsen: „Patienten die immobil sind und die Hausarztpraxis nicht mehr aufsuchen können, sind häufig auch pflegebedürftig. Die engere Zusammenarbeit mit dem Hausarzt und dessen Entlastung durch legitimierte Übernahme von Leistungen hilft Doppelstrukturen wie Hausbesuche von Pflegediensten und Hausärzten bei gleichen Patienten zu vermeiden. Zudem profitieren Pflegedienst und Hausarzt von einer gemeinsamen und zeitnahen schriftlichen und Videokommunikation. Das sichert und verbessert die Versorgung und nützt sowie entlastet den Patienten.“

Mit dem Rucksack auf Hausbesuch

Per Rucksack gefüllt mit einem Tablet-Computer, Blutdruck- und Blutzuckermessgerät, Pulsoximeter und 3-Punkt-EKG machen sich nach täglicher Auftragserteilung durch Dr. Armin Saak täglich bis zu fünf extra geschulte examinierte Pflegekräfte auf den Weg zu Patientinnen und Patienten des Hausarztes. Für den Allgemeinmediziner eine große Entlastung im Praxisalltag: „Die Herausforderung für den Hausarzt in der heutigen Zeit ist es, der Vielzahl an Patienten bei immer schwierigerer werdender ärztlicher Versorgung vor allem auf dem Lande und den zunehmenden Anforderungen von älter werdenden Patienten mit vielfältigen chronischen Krankheitsbildern gerecht zu werden. Den Hausarzt, der die älteren Menschen zu Hause ohne Zeitdruck bei Kaffee und Kuchen besuchen konnte, gibt es leider nicht mehr. Der Hausbesuch des Hausarztes wird häufig zum Akutbesuch bei Problemen, die aus dem Ruder laufen. Bei immer knapperen personellen Ressourcen kann eine Zusammenarbeit der Fachkräfte zwischen Arzt, Medizinischen Fachangestellten in der Praxis und auch Pflegekräften vor Ort helfen, die Anforderungen der modernen Medizin im Alter zu sichern. Das Projekt ist ein Baustein, um neue Ideen für die häusliche Versorgung zu verfolgen und möglich zu machen.“

Erster Kreisrat ist überzeugt

Für den Landkreis Gifhorn ist das Kooperationsprojekt ein wichtiger Baustein für die medizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger, unterstreicht der Erste Kreisrat Dr. Thomas Walter: „In Anbetracht des im Zuge des demografischen Wandels stetig steigenden Behandlungsbedarfs älterer, chronisch kranker Menschen und die dadurch zunehmende Belastung der Hausärzte begrüße ich das Pilotprojekt ausdrücklich. Ich freue mich, dass es zur Kooperation einer Hausarztpraxis und eines ambulanten Pflegedienstes aus dem Landkreis Gifhorn gekommen ist, um diese innovative Projektidee hier vor Ort auszuprobieren. Der Landkreis Gifhorn ist stetig und auch in anderen Zusammenhängen um die Sicherstellung und Weiterentwicklung der (haus-)ärztlichen Versorgung bemüht. Als Teilnehmer am Landesmodellprojekt Gesundheitsregionen Niedersachsen waren wir sehr gern zur Beantragung der entsprechenden Fördermittel bereit und haben dies aktiv unterstützt.“

Das Modellprojekt wird über die niedersächsischen Gesundheitsregionen mit rund 80.000 Euro bis Ende 2020 finanziert.

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