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Kinokritik: „Nur eine Frau“ – Dokumentation eines Dramas

31. Mai 2019
Am Donnerstag lief die Verfilmung des Ehrenmordes an Aynur Sürücü im C1 an. Ob es sich lohnt ins Kino zu gehen, erfahren Sie von unseren Kinokritikern. Foto: C1 Cinema/ Video: Julia Seidel
Braunschweig. Am Donnerstag ist die Verfilmung des Falles von Hatun Aynur Sürücü im C1 Cinema in Braunschweig angelaufen. Der Film erzählt die Geschichte der jungen Frau, die einen anderen Lebensweg, als den ihr von ihrer Familie vorgeschriebenen einschlagen wollte und die im Jahr 2005 einem Ehrenmord zum Opfer gefallen ist. Wir sagen Ihnen, wie der Film bei unseren Kinokritikern angekommen ist.

Die Geschichte des Ehrenmordes an einer jungen Frau in Berlin ging damals durch die Medien und war der erste seiner Art, der es zu einer solch traurigen Berühmtheit geschafft hat. In dem Film werden die Szenen bis zu Aynurs Tod gezeigt, wie sich abgespielt haben könnten. Über den genauen Ablauf könne bis heute nur spekuliert werden.

Inhalt

 „Nur eine Frau“ ist ein Film über die Emanzipation einer selbstbewussten jungen Frau, aber auch die Geschichte einer gescheiterten Integration. Es ist die Geschichte Hatun Aynur Sürücüs, deren Ermordung 2005 für einen Aufschrei sorgte. Basierend auf Recherchen in ihrem persönlichen Umfeld, Gerichtsakten, bislang unveröffentlichten Gesprächen mit der Familie, den Tätern, Freundinnen und Freunden Aynurs und der bis heute im Zeugenschutzprogramm befindlichen Kronzeugin entwirft Sherry Hormann (Wüstenblume) das authentische Bild einer lebenshungrigen, freiheitsliebenden und mutigen jungen Frau, die darum kämpft, selbstbestimmt leben zu können. Ein Mann erschießt seine Schwester auf offener Straße.

Sie hat ihn – arglos – mit einer Kaffeetasse in der Hand zur Bushaltestelle begleitet. Dreimal drückt er ab, die Kugeln treffen die junge Frau ins Gesicht. Nur wenige hundert Meter entfernt in der Wohnung der Frau schläft ihr fünfjähriger Sohn, sie hat ihn nur kurz allein lassen wollen. Der Junge wird von diesem Tag an niemanden mehr um sich haben, den er kennt – nicht die Mutter, nicht den Onkel, der zum Mörder wurde, nicht die Großeltern, denen die Mutter das Kind nicht mehr anvertrauen wollte. Die Schüsse in Berlin Tempelhof töten in dieser Nacht eine Frau, zerstören aber auch die Leben vieler anderer Menschen und erschüttern unser Vertrauen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Ehrenmord an Hatun Sürücü gehört zu den aufwühlendsten Verbrechen in der jüngeren Geschichte Deutschlands. Der Mord auf offener Straße macht Schlagzeilen, der Prozess gegen drei der Brüder sorgt dafür, dass das Thema „Ehrenmord“ eine zuvor nie gekannte Öffentlichkeit erlangt. Und er bleibt kein Einzelfall: eine Studie des Bundeskriminalamtes geht von einem Dutzend Tötungsdelikten in Deutschland jährlich aus, die „im Kontext patriarchalisch geprägter Familienverbände“ verübt werden, um Frauen für ihren (westlichen) Lebenswandel zu bestrafen.

Trailer

Kritik

Der Film wird durchgehend aus der Perspektive von Aynur gezeigt. Hier erzählt sie dem Zuschauer über ihre Familie und ihre Religion aber auch über ihre Gefühle, die sie hatte. Somit entsteht ein besseres Bild über die Denkweisen einer anderen Kultur. Auch Vergleiche werden gezogen, sodass der Kinogänger, der in einem westlichen Kulturkreis aufgewachsen ist, die Gefühle der Familie – zumindest teilweise – besser nachvollziehen kann. Durch immer wieder eingeblendete Originalaufnahmen von Aynur wird der Zuschauer immer aufs Neue wieder daran erinnert, dass es sich bei dem Film um eine wahre Begebenheit handelt. Dadurch wirkt er in Teilen eher wie eine Dokumentation. 

Da das Ende des Films bereits in der ersten Einstellung zu sehen ist, beginnt der Film für den Zuschauer mit einem beklommenen Gefühl. Hat er sich davon etwas erholt, schlägt der Film wieder zu, was phasenweise zu einer vollkommenen Stille im Kinosaal gesorgt hat. 

Ein ernstes Thema, mit echten Menschen und Gefühlen – auf jedenfall einen Gang ins Kino wert.

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