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Kinokritik: Der Fall Collini – Emotionales Schauspielerkino

19. April 2019
Foto: C1 Cinema/ Video: Julia Seidel
Braunschweig. Am Donnerstagabend kam mit "Der Fall Collini" einer der größten deutschen Justizskandale in das C1 Cinema in Braunschweig. Unter der Vorlage des Bestsellers von Ferdinand von Schirach wurde der Film unter anderem mit den Schauspielgrößen Elyas M'Barek, Franco Nero und Heiner Lauterbach besetzt. Ob er allerdings auch halten kann, was der Cast verspricht erfahren sie von unseren Kinokritikern.

Mit der Rolle des Pflichtverteidigers Caspar Leinen ist es Elyas M’Barek gelungen eine Rolle außerhalb einer Komödie zu spielen. Der Film ist eine deutsche Produktion, die auf dem gleichnamigen Buch von  Ferdinand von Schirach basiert, das 2011 erschienen ist. Die Handlung des Films spielt sich in drei Zeitebenen ab, welche einerseits vom Leben des Verteidigers, andererseits jedoch vom Leben des Angeklagten handeln.

Inhalt

Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek) gerät über eine Pflichtverteidigung an einen spektakulären Fall: Über 30 Jahre lang hat der 70jährige Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) unbescholten in Deutschland gearbeitet und dann tötet er anscheinend grundlos den angesehenen Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in dessen Berliner Hotelsuite. Für Caspar steht weit mehr auf dem Spiel als sein erster großer Fall als Strafverteidiger. Das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) und war wie ein Ersatzvater für Caspar. Zudem hat er mit der Strafverteidiger-Legende Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) einen Gegner, der ihm haushoch überlegen scheint. Caspar muss herausfinden, warum Collini ausgerechnet einen vorbildlichen Menschen wie Meyer ermordet hat. Auch das öffentliche Interesse an dem Fall ist immens, doch Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Als Caspar gegen alle Widerstände immer tiefer in den Fall eintaucht, wird er nicht nur mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, sondern stößt auf einen der größten Justizskandale der deutschen Geschichte und eine Wahrheit, von der niemand wissen will.

Trailer

Kritik

Der Bildschirm wird schwarz, der Abspann läuft über die Leinwand. Der Kinosaal ist totenstill. Kein leises Tuscheln, kein Rascheln von Jacken, die sich in der Eile übergezogen werden. Der Saal bleibt noch eine zeitlang still, bevor die Ersten ihre Plätze verlassen und sich zum Ausgang begeben. Nur wenige Filme haben eine derartige Wirkung auf ihre Zuschauer. 

Zunächst läuft der Film etwas schleppend an, die verschiedenen Zeitstränge und die Informationen, die die Zuschauer darin erhalten, bilden nur sehr langsam ein vollständiges Bild. Umso spannender wird es jedoch im Laufe der Handlung. Und nicht nur das. Auch an Emotionen wird hier nicht gespart. Der Tod in der Familie ist dabei ein roter Faden, der sich durch den Film zieht. Hierbei werden verschiedene Einsichten in die Gefühlswelten gegeben. Auf der einen Seite stehen die Hinterbliebenen des Opfers, auf der anderen Seite der Mörder, der jedoch seinerseits eine nicht weniger tragische Lebensgeschichte zu erzählen weiß. Zudem kommt die innere Zerrissenheit von Caspar, der gerade zu Beginn des Films zwischen den Stühlen zu stehen scheint. Mit ausdrucksstarken Bildern sorgt der Regisseur Marco Kreuzpaintner dafür, dass zumindest emotionale Gemüter einmal die Taschentücher auspacken müssen und selbst Hartgesottene einen Moment inne halten müssen. Obwohl der Fall zu Beginn klar zu sein scheint, kommt es zu einigen unerwarteten Wendungen. 

Fazit

Großes Kino aus einer deutschen Produktion. Spannung und Emotionen regen gleichermaßen zum Nachdenken an. Mit der Zeit wird der Zuschauer immer tiefer in die Handlung herein gezogen und fiebert mit den Personen mit. Tolle Handlung, tolle Schauspieler, tolle Leistung. Wir sagen: Ein Muss für den nächsten Kinobesuch.

Wir geben 4,5 von 5 regionalHeute.de-Punkten

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