„Arbeitslos macht krank – Krank macht arbeitslos“

10. Mai 2019
Von links: Dr. Jens Rannenberg, Jörg Bialas, Anna Neuendorf, Dr. Carola Reimann, Harald Krause und Tobias Heilmann diskutieren über Folgen psychischer Belastung. Foto: privat
Wittingen. Am 8. Mai habe eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Gute Arbeit? Die Folgen psychischer Belastungen in der Berufswelt" stattgefunden, zu der Landtagsabgeordneter Tobias Heilmann die Landessozial- und Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann und weitere Gäste eingeladen hat. Davon berichtet SPD Abgeordneter Heilmann in einer Pressemitteilung.

Zu Beginn der Veranstaltung stellten Mark Bialas und Merlin Beyer, zwei 14-jährige Schüler der IGS-Wittingen, ihr Projekt „Mut zu Reden Tour 2019“ vor – eine Fahrradtour, die die beiden Jugendlichen in den Sommerferien 2019 durch die Bundesländer Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern führen werde und mit der sie an insgesamt 13 Standorten (Start sei am 8. Juli in Goslar) mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf ein gesellschaftlich immer noch tabuisiertes Thema lenken wollen, nämlich den offenen Umgang mit Depression. Bereits im Jahr 2017 bezifferte die WHO (World Health Organization) die Zahl der Menschen mit Depression in Deutschland auf 4,1 Millionen, weshalb auch Ministerin Carola Reimann an diesem Abend von einer „Volkskrankheit“ gesprochen habe.

Bei der darauffolgenden Podiumsdiskussion machte Dr. Jens Rannenberg, Vorstand der Dachstiftung Diakonie, auch anhand von Zahlen aus der Region deutlich, dass die psychische Belastung der Arbeitnehmer stetig steige: So gebe es im pflegerischen Bereich eine Krankenquote von 11 Prozent und 30 Prozent der verursachten Krankheitstage seien psychisch bedingt. Mehr noch als eine hohe Arbeitsbelastung mache es jedoch Menschen krank, keine Arbeit zu haben: „Arbeitslosigkeit macht krank“, so Rannenberg. Aus dem Publikum hätte es dafür viel Zustimmung gegeben und ergänzend habe einer der Zuhörer in die Runde gerufen: „Und krank macht arbeitslos!“.

Depression als „Volkskrankheit“?

Neben Rannenberg und Ministerin Reimann seien Jörg Bialas, Bürgermeisterkandidat für Wittingen, und Harald Krause mit auf dem Podium vertreten gewesen. Beide haben Beispiele aus ihrer beruflichen Praxis mit in die Diskussion einbringen können: Bialas sei Kontaktbeamter bei der Polizei und Harald Krause sei examinierter Krankenpfleger bei einem ambulanten Pflegedienst aus der Region. Bialas habe betont, dass Polizistinnen und Polizisten oftmals als erste bei Einsätzen mit Verletzten und Toten vor Ort seien und unmittelbar mit der Situation umgehen müssten. „Das steckt niemand einfach weg, vor allem nicht Berufseinsteiger“, so Bialas. Harald Krause ergänzte das Thema Arbeitsbelastung um die Wichtigkeit des Freizeitausgleichs und berichtete, dass ihm als ambulante Pflegekraft meistens keine Zeit für Familie und Freunde bliebe.

Moderatorin Anna Neuendorf, Europakandidatin des SPD-Bezirks Braunschweig, sei es gelungen, persönliche und berufliche Erfahrungsberichte der Diskutanten mit daraus resultierenden politischen Forderungen zu verknüpfen. Dabei habe insbesondere Ministerin Carola Reimann ihre Expertise als langjährige gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion unter Beweis gestellt. Sie plädierte für eine stärkere betriebliche Gesundheitsförderung, gerade bei kleineren und mittelständischen Unternehmen und sah dabei die Krankenkassen in der Pflicht. Gesundheit am Arbeitsplatz, so Reimann, sei eine Führungsfrage in den Unternehmen selbst. Auch für Tobias Heilmann stand fest, dass die Arbeitgeber ein Grundinteresse an der Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben müssten, sowohl aus sozialen als auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

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