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Von Nachbarn und Pseudonymen – Till Burgwächter im Interview

5. Mai 2017 von
In seinem neuen Buch berichtet Till Burgwächter, was man mit Nachbarn so alles erleben kann. Fotos: Alexander Dontscheff
Braunschweig. Seit über 15 Jahren ist Till Burgwächter als Autor humorvoll-satirischer Bücher aktiv. Vor kurzem erschien "111 Gründe, Nachbarn zu hassen", seine zum Teil autobiografische Abrechnung mit den "netten Leuten von nebenan". regionalHeute.de hat sich mit ihm getroffen.

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Der heutige Braunschweiger ist in Gifhorn geboren und aufgewachsen. Spätestens in der 5. Klasse zeigte sich, dass seine Talente eher bei den Sprachen und Geisteswissenschaften, weniger bei Mathe und Co. zu finden waren. In der Schülerzeitung der Erich-Kästner-Schule (damals eine von zwei Orientierungsstufen in Gifhorn) waren dann folgerichtig auch seine ersten Artikel zu lesen.

Über Umwege zum Ziel

Bis aus Marc Halupczoks – so Till Burgwächters richtiger Name – Vorlieben ein Broterwerb wurde, dauerte es einige Zeit und bedurfte auch einiger Umwege. „Ich habe nur Fachabitur und konnte daher weder Germanistik noch Journalismus studieren“, erklärt der Autor. Daher habe er zunächst ein duales Verwaltungs- und Betriebswirtschaftsstudium bei der Stadt Braunschweig begonnen. Nebenbei war er aber als Autor für kleinere Fanzines und ein Braunschweiger Stadtmagazin aktiv. Das führte zu Problemen mit seinem Arbeitgeber und letztlich zur Geburtsstunde von „Till Burgwächter“.

Ein Scharnier wird Namenspate

„Es haben sich tatsächlich einige Vorgesetzte über meine zumeist humoristischen Artikel echauffiert. So etwas gehöre sich nicht für einen Beamten der Stadt Braunschweig, hieß es“, so Halupczok. Um weiter schreiben zu können, musste also ein Pseudonym her. Den „Till“ verdankte er nur zum Teil dem bekannten Narren aus Schöppenstedt, vielmehr stand hier ein lange verschwiegener zweiter Vorname eines Kumpels Pate. „Burgwächter“ dagegen war schlicht der Herstellername des Scharniers an der Tür der Rathaustoilette. „Was sich aus dieser Notlösung alles entwickelt hat, dass ich auch 20 Jahre später noch Bücher unter diesem Namen veröffentliche, mich manche Leute so anreden, obwohl sie wissen, dass ich anders heiße, war damals natürlich nicht abzusehen.“

Marc Halupczok alias Till Burgwächter im Gespräch mit regionalHeute.de,

Heute veröffentlicht der bekennende Eintracht Braunschweig und FC St. Pauli Fan sowohl Bücher unter seinem richtigen Namen – unter dem er auch für Musikfachzeitschriften wie den Metal Hammer schreibt – als auch unter seinem Pseudonym. „Die Sachbücher laufen unter meinem eigenen Namen, wenn es ins Humoristische, Satirische und Groteske geht, das ist dann Till Burgwächter.“ 2001 hat sich Halupczok endgültig für das Schreiben und gegen die Karriere als Verwaltungsbeamter entschieden. 

Dietmar Wischmeyer und Stephen King

Auf die Idee, Bücher zu schreiben, hat ihn sein großes Vorbild Dietmar Wischmeyer gebracht. Dieser habe neben seiner Arbeit als Comedian auch Bücher über seine größte Leidenschaft veröffentlicht. „Bei Wischmeyer waren es Motorräder, meine Leidenschaft war und ist der Heavy Metal. Daher habe ich angefangen, ein satirisches Buch über Heavy Metal zu verfassen, das 2001 erschienen ist.“ Seitdem folgten viele Bücher zu den unterschiedlichsten Themen. „Wenn du wirklich Autor sein willst, schreibst du jeden Tag. Auch am Wochenende, deinem Geburtstag oder Silvester. Und seien es nur 1.000 Zeichen“, soll Stephen King einmal gesagt haben. Das nimmt sich Marc Halupczok zu Herzen und kann so auch mal stressigere Phasen bewältigen, wenn sich mehrere Buchveröffentlichungen überschneiden und er ja noch nebenher als Journalist aktiv ist.

Immer Ärger mit den Nachbarn

Auch zur „111 Gründe“-Reihe des Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlages hat Till Burgwächter schon einige Beiträge abgeliefert. „Für einen Autor ist das ganz angenehm weil man feste Vorgaben hat. Man braucht eine bestimmte Anzahl Kapitel, und das Buch baut sich vor dem geistigen Auge quasi von alleine zusammen“, so der Autor. Die Idee zum neuesten Titel „111 Gründe, Nachbarn zu hassen“ habe er zusammen mit dem Verlag entwickelt. „Nachbarn hat jeder und kennt daher so seine Geschichten. Deutschland ist ja ein Land, wo es sogar TV-Sendungen gibt, in denen sich Nachbarn vor Gericht zerren. Material sollte es also genug geben,“ so die Annahme des Autors, die sich nach kurzer Recherche bestätigte. „Man hätte das Buch doppelt so dick machen können, es gibt wirklich die unglaublichsten Nummern.“ Auch viele eigene Erfahrungen, insbesondere aus seiner Kindheit in Gifhorn, flossen in das Buch ein. Dass dabei ab und an mal zwei wahre Geschichten zu einer kombiniert oder an manchen Stellen etwas ausgeschmückt wurde, ist dann wohl die kreative Freiheit des Autors. Die Namen der Personen wurden selbstverständlich geändert, so dass sich bislang noch kein verärgerter ehemaliger Nachbar bei Halupczok gemeldet hat.

Zukunftsmusik mit „brauner Suppe“

Auch für das kommende Jahr plant Till Burgwächter einen neuen Band aus der „111 Gründe“-Reihe. Zu welchem Thema darf er aber noch nicht verraten. Bereits in Kürze erscheint dagegen ein Buch von ihm mit brisantem Inhalt. Mit „Nazi werden leicht gemacht – wollt ihr das totale Buch“ will sich der Autor „so humoristisch wie es eben möglich ist mit der ganzen braunen Suppe auseinandersetzen.“ Angefangen von der Geschichte des Faschismus in Italien über das Dritte Reich bis zu den Populisten von heute. Dass man damit wahrscheinlich auch anecken wird, ist ihm bewusst. „Wir haben mit dem Verlag überlegt, ob wir das machen sollen. Aber das ist jetzt die Zeit dafür. Man muss auch mal das Maul aufmachen und sagen: Nee, das nicht!“

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