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Abrahams Kinder: Bürgermeister Nehrlich widerspricht der AfD

13. April 2018 von
"Der Anspruch des Kindergartens ist es, dass Kinder voneinander lernen, sich gegenseitig wertzuschätzen“. Symbolbild: Sandra Zecchino
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Gifhorn. In einer Pressemitteilung erhob die AfD nach dem Eklat in der Ratssitzung um den muslimisch-christlichen Kindergarten schwere Vorwürfe gegenüber der Stadt und den anderen Parteien. Diese will Bürgermeister Matthias Nerlich nicht so stehen lassen und bezieht auf Anfrage von regionalHeute.de Stellung.

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„Abrahams Kinder ist ein gemeinsames Projekt von Diakonie, der katholischen Kirchengemeinde und der türkischen und kurdischen Gemeinde. Die institutionelle Trägerschaft liegt bei der Diakonie. Der Diakonie zu unterstellen, sie unterwerfe sich dem Erdogan-Regime, ist diffamierend.“ Deutlich widerspricht Nerlich dem Vorwurf des AfD-Fraktionschefs Stefan Marzischewski-Drewes, der die bisher geringe Anmeldequote für den muslimisch-christlichen Kindergarten als Zeichen sieht, dass die Eltern nicht bereit seien „ihre Kinder den islamischen Speiseregeln und der dem Erdogan-Regime nahestehenden DITIB e.V. zu unterwerfen“.

Dem Vorwurf von AfD-Ratsmitglied Robert Preuß, Nerling würde öffentlich dafür werben, Kleinkinder in Gifhorn durch den Erdogan-nahen DITIB-Verband erziehen zu lassen, entgegnet Nerlich mit der Aufforderung, Belege vorzulegen.

Gemeinsamkeit aller Religionen statt die „deutschen Werte der AfD“

„Diversität der Religionen ist Bestandteil der Menschheitsgeschichte und Bestandteil unserer Gesellschaft. Es geht darum, aus der Unterschiedlichkeit heraus das Gemeinsame zu erlernen. Das gemeinsame Moment aller abrahamitischen Religionen ist die Friedensbotschaft, sie ist das Vereinende. Der Anspruch des Kindergartens ist es, dass Kinder voneinander lernen, sich gegenseitig wertzuschätzen“, betont der Bürgermeister den Grundgedanken der Einrichtung Abrahams Kinder.

Im Gegensatz dazu werde Nerlich bei dem Gedanken schlecht, wenn in den Gifhorner Kindertagesstätten die deutschen Werte der AfD vermittelt werden würden. So war er bei der letzten Ratssitzung auf eine Pressemitteilung der AfD eingegangen. Dort schrieb Preuß „Unsere Jüngsten, ob mit muslimischem oder christlichen Hintergrund, sollten im Kindergarten (…) unsere deutschen Werte vermittelt bekommen und nicht ihre Unterschiedlichkeit in religiösen Fragen erlernen.“

Intensiver Ausbau der Krippe- und Kindergartenplätze

Die AfD war der Stadt und den „Altparteien“ in der Pressemitteilung vor, sie würden dem steigenden Bedarf an Kita und Kindergartenplätzen hinterherbauen und habe sich lediglich um Abrahams Kindergarten gekümmert.

Das sei nicht der Fall, betont Nerlich. „Die Behauptung, die Stadt habe sich allein um den Bau des sogenannten Vorzeigeprojektes Abrahams Kindergarten gekümmert, ist schlichtweg falsch.“ Obwohl der Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen in einer nicht vorhersehbaren Größenordnung angestiegen sei, sei des der Stadt gelungen, bedarfsgerechte Lösungen auf den Weg zu bringen. Allein für das laufende Kita-Jahr seien verschiedene Maßnahmen initiiert worden:

  • Erweiterung der Kita Spatzennest e. V. um eine Krippen- und eine Kindergartengruppe durch den Träger der Kita
  • Umbau des Pfarrhauses der Martin-Luther-Gemeinde für zwei Krippengruppen
  • Erhöhung der Gruppenstärke als letzte Maßnahme auf 24 Kinder pro Gruppe befristet für das Kita-Jahr 2017/2018, was nur in Ausnahmefälle erfolgte
  • Umbau des Pfarrhauses der Martin-Luther-Gemeinde bis zu einer Gesamthöhe von bis zu 584.000 Euro und Erwerb des Inventars und der Küche in Höhe von maximal 85.000 Euro
  • Kita-Neubau am Koppelweg, drei Krippengruppen, zwei Kindergartengruppen. Bis zur Fertigstellung der Kita am Koppelweg ist eine Krippengruppe bereits im Sonnenweg installiert (ehemals Außenstelle Krippe Gifhörnchen).
  • Mit dem Neubau der Kita Gifhörnchen wurden außerdem eine Krippengruppe sowie eine Kindergartengruppe zusätzlich geschaffen.

Auch für das nächste Kita-Jahr steht die Umsetzung verschiedener Maßnahmen an:

  • Einrichtung einer Krippengruppe in der ehemaligen Kinderkrippe Miteinander e. V., Bergstraße 15
  • Nachnutzung der Räumlichkeiten im Sonnenweg 12 als Krippe, im Falle dass Abrahams Kindergarten nicht an den Start geht.
  • Errichtung einer Kindertagesstätte mit zwei Krippen- und drei Kindergartengruppen in Modulbauweise im Bereich des Bolzplatzes des Sportzentrums Süd
  • Einstellung von einer Million Euro in den Haushalt für weitere Maßnahmen zur Erweiterung der Kapazitäten im Kita- und Krippenbereich.

Auch sieht Nerlich den Kindergarten nicht als gescheitert. Dass das Anmeldeverfahren zu Beginn nur schleppend anlief, habe strukturelle Gründe (regionalHeute.de berichtete). Mittlerweile sei die Zahl der Anmeldungen angestiegen. „Auch andere Einrichtungen wie Horte, Krippen oder Kindergartenangebote, wie zum Beispiel der Waldkindergarten sind in der Vergangenheit nicht mit der maximalen Gruppenauslastung gestartet und haben sich erfolgreich entwickelt“, erinnert Nerlich.

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